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Mittwoch, 15. April 2015

Digitalisierung der Bildung: Joch oder Zwang?















Spätestens seit die Regierungskoalition Ende März einen Antrag zur „Stärkung der Digitalen Bildung“  in den Bundestag eingebracht hat, läuft eine öffentliche Kontroverse zum Sinn und Nutzen digitaler Lernmedien in Schulen: Von der Bild über den Stern und die FAZ bis hin zu Tagesthemen, SZ und Deutschlandradio Kultur beteiligen sich fast alle großen Medien daran. Dabei kommen seit Neuestem auffällig häufig die Kritiker der „Digitalisierung“ zu Wort.

Nachdem sich der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, in einem Radio-Interview bereits gegen die „totale Digitalisierung“ bzw. „Zwangsdigitalisierung“ der Schule ausgesprochen hat, stemmte sich kürzlich auch der Fachhochschulprofessor für Mediengestaltung, Ralf Lankau, mit einem kämpferischen Beitrag für die FAZ vom 9.4.2015, gegen das „Joch der Digitalisten“. Darin bezieht er Stellung gegen die vermeintlich Industrie-hörige Front aus Lobbyisten und Politik und klagt vehement das „Menschliche“ gegenüber den „profitmaximierenden Systemen“ der „Digitalisten“ ein (wobei die „Kapitalisten“ hier sicherlich bewusst mitschwingen). An den digitalen Lernmedien lässt er erwartungsgemäß kein gutes Haar, und der Bundesregierung unterstellt er, dass anstelle von Sprach- und Leseförderung künftig Programmierunterricht an Grundschulen eingeführt werden solle. Jugendliche Mediennutzer sind für Lankau „Smartphone Zombies“, denen das Handy am besten komplett entzogen werden sollte, damit sie endlich wieder ausgeschlafen zum Unterricht erscheinen.

Abgesehen davon, dass Lankau mit dieser Sicht der Dinge vielen Smartphone-geplagten Eltern und Lehrern aus der Seele sprechen wird, bleibt natürlich die Frage, wie der digitale Medienwandel von Schulen und Lehrern pädagogisch sinnvoll bearbeitet und gestaltet werden kann. Denn dieser Wandel ist ja zweifellos da und prägt längst unsere Lebens-, Arbeits- und Bildungswelt. Aktuelle Studien zeigen, dass rund 90% der Jugendlichen hierzulande Smartphones oder Tablets ihr Eigen nennen. Kann, darf und soll die Pädagogik diese Entwicklungen tatsächlich unter Hinweis auf Industrie-Interessen und andere „Risiken und Nebenwirkungen“ schlichtweg ablehnen?

Die öffentliche Debatte über digitale Medien in der Schule funktioniert, wie sollte es anders sein, nach dem Muster „Entweder/Oder“. Befürworter und Ablehner gefallen sich in Extrempositionen. Vor die Wahl gestellt: Gemeinsamer Schulausflug und Naturerkundung des Mischwalds in Begleitung eines begeisterten Bio-Lehrers einerseits, oder individuelles Durcharbeiten der Lern-App zum „ Wald und seinen Bewohnern“ andererseits: Wer würde hier nicht spontan der Medienkritik zuneigen? Doch stimmen diese Alternativen wirklich, und vor allem: schließen sie sich gegenseitig aus?

Ist es nicht sinnvollerweise so, dass beides stattfinden kann: sowohl die Lern-App vor dem Ausflug zuhause, als auch das Teamwork beim Ausflug, sowohl das Smartphone zum Dokumentieren, Kooperieren und Orientieren als auch der Notizblock? Könnte die Kombination aus Multimedia und Pflanzenbestimmungsbuch, aus mobiler Kommunikation und sozialer Interaktion, aus formalen und informellen Lernprozessen, oder anders formuliert: aus „analog“ und „digital“ nicht sehr viel fruchtbarer sein, und für Lehrer wie für Schüler befriedigender, effektiver und nachhaltiger?

Bei aller Wertschätzung für das Schulbuch: Wer schon einmal den durchschnittlichen Schulranzen einer heutigen 5-Klässlerin getragen hat, wird sich wünschen, dass zumindest ein Teil der Bücher durch rückenschonende digitale Daten ersetzt werden könnte. Dabei muss allerdings auch klar sein: Das Tablet und Smartphone einerseits und das Schulbuch andererseits sind nicht nur zwei verschiedene Medien, mit ihren besonderen Vor- und Nachteilen. Sondern sie stehen, wie Michael Giesecke in seiner Geschichte des Buchdrucks gezeigt hat, als Technologien für komplett unterschiedliche „Informationssysteme“.  Die Schule, wie sie heute existiert, konnte ja erst auf Basis des Buchdrucks entstehen. Denn nur die Durchsetzung des gedruckten Buchs ermöglichte einen gemeinsamen Wissenskanon und einen allgemein-verbindlichen Lehrplan mit zugehörigen Prüfungen, vergleichenden Leistungstests und dem heutigen Typ des Klassenraum-Unterrichts.

Die Schule des digitalen „Informationssystems“ wird sich davon unterscheiden. Wie genau, das zeigt sich in ersten Ansätzen und digitalen Bildungsprojekten, in denen die Grenzen zwischen Wissens-Aneignung und -Austausch, persönlichen und kollektiven Lernprozessen verschwimmen und die Lehrer viel stärker als heute eine Art „Personal Learning-Coach“-Rolle einnehmen. Bis es soweit ist, bis die Regeln und Rituale des digitalen Bildungssystems feststehen, werden die Befürworter der traditionellen, Buch-basierten Schuldidaktik noch auf manche Nachteile der „Digitalen Bildung“ hinweisen. Nicht immer hält diese Kritik sachlicher Argumentation stand. Manchmal will sie das vielleicht auch gar nicht.


Die Einrichtung eines „Pakts für Digitale Bildung“, der, wie es im eingangs erwähnten Antrag der Regierungskoalition heißt, „die unterschiedlichen Aktivitäten von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft bündelt, digitale Infrastruktur und Ausstattungen finanziell fördert und didaktisch sinnvolle Projekte sowie Lernende, die sich aus finanziellen Gründen kein digitales Endgerät anschaffen können, unterstützt“ – dieses Aktionsprogramm hat es jedenfalls nicht verdient, mit Hinweis auf die fehlende „Menschlichkeit“ der Digitalen Bildung derart diskreditiert und z.T. bewusst falsch verstanden zu werden. 

Donnerstag, 3. Juli 2014

Reinvention of the University




Auffällig oft bringt der Economist derzeit längere - und dazu sehr spannende - Stücke über den anstehenden Wandel der Higher Education: Vor kurzem "The Digital Degree", vor einer Woche dann "Creative Destruction". Die zentrale These: Aufgrund der immer höheren Kosten für die universitäre Ausbildung und einer Veränderung der Bildungskultur - hin zum Lifelong Learning - braucht es neue, flexiblere und vor allem kostengünstigere Angebote für die akademische Bildung. Wer suchet, der findet: Die MOOCs. Der Economist lässst keinen Zweifel daran auf kommen, dass es sich hierbei um eine "disruptive Innovation" handelt, mit dem Potenzial, den Higher Education Markt - zumindest in den nicht ausschließlich öffentlich finanzierten Systemen - massiv zu erschüttern: "The result will be the reinvention of the university" (Economist 28.6.2014).


Doch was bedeutet diese Innovation für die traditionellen Hochschulen? Unterschiedliches, so der Economist. Während auf der einen Seite die großen Marken wie Harvard, Yale und MIT davon profitieren, indem sie virtuelle Studienangebote für einen globalen Kundenkreis anbieten - und kommerzialisieren - werden sich die weniger renommierten Hochschulen schwer tun: "The big names will be able to sell their MOOCs around the world. But mediocre universities may suffer the fate of many newspapers. Were the market for higher education to perform in future as that for newspapers has done over the past decade or two, universities’ revenues would fall by more than half, employment in the industry would drop by nearly 30% and more than 700 institutions would shut their doors. The rest would need to reinvent themselves to survive." (Economist 28.6.2014).


Keine Revolution ohne Opfer, vermerkt der Economist-Autor trocken. Um jedoch das schlimmste zu verhindern, nämlich den Niedergang nicht nur einzelner Hochschulen sondern ganzer Gemeinwesen und "Universitäts-Städte" schlägt der Economist vor, die regulatorischen Rahmenbedingungen so zu verändern, dass allgemeingültige Standards für die Akkreditierung und Zertifizierung virtueller Bildungsabschlüsse geschaffen werden. Also gemeinsame Markt- und Spielregeln, die es möglichst vielen Institutionen und Anbietern der "Branche" ermöglicht mitzuspielen.


Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist freilich, dass die Hochschulen überhaupt willens und dazu bereit sind, in diesen Wettbewerb zu gehen. Neben dem erwähnten Artikel des Economist wird ein Distance Learning Online MBA in Germany beworben. Wer allerdings annimmt, dass dieses Angebot naheliegenderweise von der Fernuniversität in Hagen stammt, wird eines besseren belehrt: Es handelt sich vielmehr um einen Online-MBA der britischen "Open Unversity" - für den deutschen Executive Markt.  

Mittwoch, 28. Mai 2014

MOOCs in der beruflichen Weiterbildung



"How MOOCs will Revolutionize Corporate Learning", so betitelte vor einiger Zeit FORBES einen Beitrag zur Rolle von MOOCs in der beruflichen Weiterbildung. Darin wird betont, dass sich MOOCs aus drei Gründen besonders gut für die Coprorate Education eignen. Erstens aufgrund der "Semi-Synchronizität" der MOOCs. D.h., es gibt zwar einen verbindlichen Zeitrahmen, in dem die MOOC-Teilnehmer bestimmte Assignments zu bearbeiten haben, aber der ist meistens hinreichend groß (z.B. eine Woche), so dass eine gewisse Flexibilität und Autonomie erhalten bleibt. Zweitens aufgrund des didaktischen Designs, das Videos und eLectures mit kollaborativen und kommunikativen Komponenten verbindet. Drittens schließlich aufgrund der Möglichkeit, die Teilnahme oder den erfolgreichen Abschluss eines MOOCs durch "Credentials" und Zertifikate zu belegen.  Zitiert wird eine Studie von Future Workplace, wonach stolze 70% der befragten Verantwortlichen in Unternehmen den Einsatz von MOOCs in der Weiterbildung als sinnvoll erachten.

Werden also MOOCs, nachdem sie den Hochschulbereich durchrüttelt haben, auch das Executive Training und die Erwachsenen-Bildung erschüttern? Wenn man die User-Statistiken der heutigen MOOCS betrachtet, so spricht vieles dafür. Denn bereits heute stammen die MOOC-Teilnehmer der großen Plattformen wie edX und Coursera sehr häufig aus dem Nicht-hochschulischen Bereich. Z.T über 50% der registrierten Teilnehmer sind berufstätige Erwachsene - älter als 33 Jahre. Und deren Motiv? Mehr als 60% geben an, MOOCs zu belegen, um die persönlichen Job- und Business-Skills zu verbessern (vgl. Vikram Mahidhar von Deloitte "MOOCs teach corporations about new oportunities").

Entsprechend aktiv engagieren sich inzwischen verschiedene große Organisationen und Unternehmen für das Thema MOOC, sei es SAP (mit openSAP) oder Google, die u.a. einen HTML5 Kurs von Udacity in ihr corporate education curriculum aufgenommen haben, sei es die Weltbank oder der IMF. Microsoft betreibt mit der "Microsoft Academy" eine umfangreiche Online-Learning Suite zu allen Produkten und Services des Unternehmens und Volkswagen entwickelt derzeit gemeinsam mit Universitäten ein ambitioniertes Weiterbildungsprogramm im Stil eines MOOCs (wenngleich nicht open).

Die didaktischen Vorteile dieser virtuellen Lern-Communities und Events sind sicherlich das zentrale Argument für deren Einsatz im Lifelong Learning. Doch es gibt daneben noch weitere Gründe, weshalb Unternehmen, Institutionen auch oder berufliche Bildungseinrichtungen vermehrt MOOCs anbieten. Erstens bieten diese immer auch hervorragende Potenziale für das eigene Brand-Marketing. Zweitens sind sie eine interessante Plattform für das Recruitment und On-Boarding junger Mitarbeiter. Und schließlich schaffen sie drittens vielfältige Gelegenheiten für Kooperation und Austausch zwischen den Mitarbeitern - und damit eine wichtige Voraussetzung für Innovationen.

Vor diesem Hintergrund wäre es wenig überraschend, wenn neben den großen Unternehmen mit ihren Tausenden von Mitarbeitern, in Zukunft auch die Anbieter beruflicher Weiterbildung: Verbände, Kammern, Netzwerke und Vereine ihre Mitglieder hin und wieder zum MOOCen einladen würden. 

Freitag, 28. März 2014

Intelligente Bildungsnetze bringen 5 Mrd € - laut Roland Berger

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie zu "Intelligenten Netzen", die von Roland Berger im Auftrag des BMWi erarbeitet wurde, könnten ab 2022 pro Jahr rund 3 Mrd € im Bildungsbereich durch die Virtualisierung von Lehrangeboten eingespart werden. Weitere 2 Mrd € erwartet man als sogenannte "Wachstumspotenziale". Was sind "intellligente Netze"? Hier die Definition:

"Als intelligente Netze werden Lösungen bezeichnet, die netzbasiert eine Regelung 
oder Koordination unterschiedlichster technischer Geräte ermöglichen. Dies 
geschieht zumeist kontextbezogen und über einen automatisierten Austausch von 
Daten. Ziel ist es, komplexe Prozesse besser zu managen, die Effizienz zu steigern, 
Verbrauch und Erzeugung miteinander zu koppeln und damit Ressourcen zu 
schonen sowie weitere, neue vernetzte Anwendungen zu ermöglichen."

Im Bildungsbereich sehen die Autoren folgende Potenziale:

"Im Anwendungsfeld Bildung kann die Bereitstellung von hochverfügbaren, zeitlich 
und örtlich flexiblen Bildungsangeboten mit geringen Eintrittshürden den Zugang zu 
Bildung deutlich erleichtern und damit neue Potenziale für die berufliche und 
persönliche Entwicklung eröffnen. Zudem bieten virtuelle Lerninstrumente und 
didaktische Ansätze (z.B. Lernvideos, automatisierte Selbsttests etc.) dem 
Lernenden die Möglichkeit, den Lernprozess je nach Lerngewohnheiten und 
Präferenzen individuell zu gestalten."

Also soweit wenig Neues an der "Visionsfront". Wie sieht es mit den Best-Practice Beispielen aus? Sechs Beispiele wurden identifiziert, eines davon - "iversity" - sogar als sogenannter "Hoffnungsträger".

















Sämtliche Beispiele werden in dem Bericht sehr genau dargestellt - in technischer wie in organisatorischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Überwiegend handelt es sich dabei um laufende oder ehemalige Förderprojekte. Klarer Schwerpunkt ist offenbar die akademische Bildungswelt. Die hier - verdientermaßen - immer wieder gerne angeführte "Virtuelle Hochschule Bayern" kann inzwischen (Studienjahr 2012/13) auf über 40.000 Teilnehmer p.a. mit über 100.000 Kursbelegungen verweisen und soll in den kommenden Jahren auf das doppelte der aktuellen Leistung ausgebaut werden. In den letzten 10 Jahren konnte die VHB damit ihre Teilnehmerzahlen verdoppeln. Derzeit verfügt sie über ein Jahresbuudget von 12 Mio €. Das zugegebenermaßen damit nicht zu vergleichende Berliner MOOC-Startup "iversity" kann bereits nach den ersten anderthalb Jahren stolze 500.000 registrierte User vorweisen. Wie hoch das Jahresbudget hier ist, geht aus der Studie nicht hervor. Die öffentliche Wahrnehmung des von Privatinvestoren und der Telekom fianzierten Unternehmens ist freilich um ein Vielfaches höher als die der VHB - nicht zuletzt dank des letztjährigen MOOC Wettbewers zusammen mit dem Stifterverband. Allerdings ist noch unklar, wie "iversity" Geld verdienen soll. Das Unternehmen, so die Studie, verfügt "aktuell nicht über ein kostendeckendes Erlösmodell. Künftig sollen jedoch Einnahmen durch Gebühren für die Prüfungszertifikate erzielt werden. Eine weitere mögliche Erlösquelle sieht das Unternehmen in kostenpflichtigen Dienstleistungen für Unternehmen, die das Online-Portal zur Rekrutierung talentierter Nachwuchskräfte aus dem Pool der Studierenden heraus nutzen könnten." Im Kern also dieselben Vorstellungen wie bei den großen US-amerikanischen Plattformen...

Wie gesagt: Die VHB, als staatlich geförderte Einrichtung von und für Bayerns Hochschulen, und iversity, als privatwirtschaftliche Marketingplattform für MOOCs, zu vergleichen, das hieße Äpfel mir Birnen zu vergleichen. Dennoch drängt sich natürlich den Gedanke auf, welche Potenziale in einem Projekt wie der VHB stecken könnten, wenn es sich stärker auch für den freien Endkunden-Markt für akademische Bildung öffnen würde. Dass diese marktliche Öffnung der staatlichen Anbieter digitaler Bildung in den kommenden Jahren ansteht, ist allerdings sicher eine der (vielen) Voraussetzungen für die Erreichung der erwähnten Effizienzpotenziale Intelligenter Netze.  

Donnerstag, 16. Januar 2014

Streichen die klassischen Hochschulen bald ihre Segel? Christensen meint: Ja!


Clayton M. Christensen - Professor an der Harvard Business School und Autor des Topsellers "The Innovators Dilemma" - verglich in einem Artikel für die New York Times vor kurzem das radikale Aussterben der Segelschiff-Fahrt Anfang des 20sten Jahrhunderts mit der aktuellen Situation der "klassischen" Hochschulen. Was damals die Dampfschiffe für die Segelschiffe waren, das sind heute eLearning und MOOCs für die akademische Bildungsbranche. Wobei er für den Moment konstatiert, dass die Hochschulen sich sozusagen - um im Bild zu bleiben: halb Segel- halb Dampfschiff - noch im Hybrid-Modus befinden. In diesem Modus spielt die neue Technologie noch nicht ihre wirklichen Vorteile und ihre disruptive Kraft aus: "...for MOOCs to fullfill their disruptive potential, they must be built into low-cost programs with certification of skills of value to employers. (...) The lessons from any number of industries teach us that those that truly innovate - fundamentally transforming the model, instead of just incorporating the technology into established methods of operation - will have the say."

Christensen nennt eine Reihe von Vorläufern und Beispielen, die es Ernst meinen mit einer online-basierten Radikalkur der akademischen Bildung. Z.B. das Minerva Projekt (ein Startup in San Francisco), das weltweit "mini campuses" aufbaut, wo sich Online-Studierende auch persönlich treffen können. Oder die Kooperation zwischen Georgia Institute of Technology, Udacity und AT&T, die in diesem Jahr einen Online-Master an den Start bringen, der nur noch ein Sechstel dessen kostet, was derselbe Abschluß von Georgia Tech im "klassischen" Format kosten würde.

Kurz: Die Online-Variante des klassischen Hochschulstudiums, das steht für Christensen außer Frage, wird den Studierenden so viele attraktive Optionen und Vorteile - nicht zuletzt monetärer Art - bringen, dass die letzten klassischen Hochschulen schon in absehbarer Zeit ihre Segel streichen werden...

Freitag, 1. November 2013

Die digitale (R)evolution? CHE Studie zu Digitalisierung der Hochschule



Lukas Bischof und Thimo von Stuckrad haben vor wenigen Tagen die lang erwartetete CHE-Studie zu den "Chancen und Risiken der Digitalisierung akademischer Lehre" vorgelegt. Sie lassen zwar offen, ob wir eher mit einer digitalen "Evolution oder Revolution" zu rechnen haben. Aber sie zweifeln nicht daran, dass eine weitgehende Digitalisierung und Vernetzung der akademischen Bildung unvermeidbar und notwendig ist, wenn man den aktuellen Herausforderungen des akademischen Bildungssystems gewachsen sein möchte. Darauf stellt auch Jörg Dräger in seinem Vorwort ab: "Vieles deutet aber darauf hin", so Dräger, "dass uns auch in der Bildung ein „digitaler Tsunami“ bevorsteht. Dafür sprechen nicht nur der bei Netzen und Geräten erreichte technologische Fortschritt sowie die entsprechenden Erwartungen der an die Schulen und Hochschulen strömenden „digital natives“. Es geht auch um die Qualität der Lehre: Denn in Zeiten, in denen in Deutschland die Hälfte eines Jahrgangs eine Hochschulzugangsberechtigung erwirbt, tritt auch verstärkt die Unterschiedlichkeit der Lernenden zu Tage. Die traditionelle Hochschullehre schafft es bisher jedoch nicht, mit diesen Differenzen adäquat umzugehen: Die nötige Individualisierung des Lernens mag dem Professor für sein kleines Oberseminar noch gelingen, ist aber für die Masse an Studierenden mit herkömmlichen Methoden nicht mehr zu leisten."

"Massifizierung" einerseits und "Individualisierung" andereseits: Diese Herausforderungen ließen sich nur mit intelligenten digitalen Lehr- und Lernformaten meistern. Beispiele dafür gibt es zuhauf in dieser interessanten und anregenenden Studie, die vor allem auch konkrete Impulse für Hochschulen hierzulande geben möchte. Das Thema MOOCs kommt dabei selbstvertändlich nicht zu kurz und wird vor allen Dingen als Marketing-Chance beschrieben. Aber auch im Blick auf die gesellschaftliche und kulturelle Dimension von Bildung werden hier spannende Potanziale gesehen: "Das Wissen, "so die Autoren, "kehrt mit offenen, digitalen Bildungsangeboten gleichsam in die Gesellschaft zurück, die ihre institutionalisierte Vermittlung zuallererst möglich macht. Im Hinblick auf das öffentliche Teilen von Wissen stellen insbesondere MOOCs eine Möglichkeit für Hochschulen dar, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen."

Die Studie steht hier zum Download.

Freitag, 11. Oktober 2013

Spocs statt Moocs...



Das edX Mitglied HarvardX hat jetzt angekündigt, neben den komplett offenen digitalen Massenkursen auch kleine, sozusagen "private" Kurse anzubieten: eben (S)mall (p)rivate (o)pen (c)ourses. Auch sie sollen kostenlos und frei verfügbar sein. Die beiden wesentlichen Unterschiede sind:

1. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt auf eher wenige hundert statt tausende Teilnehmer. 
2. Es wird einen Bewerbungs/Auswahlprozzess geben, um sicher zu stellen, dass das Leistungsniveau der Teilnehmer ungefähr vergleichbar ist.

Auserdem ermögliche die begrenzte Teilnehmerzahl, wie Prof. Lue von HarvardX anmerkte, auch "much more rigorous assessment and greater validation of identity". Sprich, es werden verbindlichere (Abschluß-)Tests und Zertifizierungen möglich - und damit auch eine Bepreisung der Kurse im Sinne regulärer und anerkannter Qualifizierungsangebote einer renommierten Universität.


Dies bedeute nicht das Ende der Moocs für Harvard, sondern nur die Etablierung eines neuen Formats digitaler Lehre, das - so kann man vermuten - am Ende des Tages auch die Möglichkeit bietet, Erträge zu erwirtschaften. 
Neben Harvard hat sich übrigens auch die University of California, Berkeley - ebenfalls Mitglied im edX Konsortium - dazu entschlossen, künftig Spocs anzubieten.